TL;DR: Ein Software-Unternehmer mit Kurs- und Verwaltungssoftware für Bildungsanbieter machte drei Jahre lang rund 100.000 Euro Verlust — bei vollem Auftragsordner. Der Turnaround kam, als er entdeckte, dass sein Team bei 75 bearbeiteten Support-Tickets nur einen Bruchteil abrechnete. Die Lösung: eine Preismatrix, konsequente Abrechnung jeder Leistung und ein Mindestpreis, der die tatsächlichen Kosten deckt. Der Support-Umsatz stieg auf das Fünffache, das Unternehmen wechselte vom Verlust in den Gewinn.

Voller Auftragsordner, sechsstelliger Verlust

Kunden rissen einem Software-Unternehmer das Produkt quasi aus den Händen. Trotzdem stand am Jahresende ein Verlust von rund 100.000 Euro — zum dritten Mal in Folge. Die Auftragslage war nie das Problem. Das Geld verschwand irgendwo zwischen Leistung und Rechnung.

Was passierte, als er die Support-Zahlen zum ersten Mal wirklich ansah

Im Coaching bei anne&thorsten. machte der Inhaber eine Rentabilitätsanalyse seiner Kunden. Zum ersten Mal sah er schwarz auf weiß: Bei manchen Kunden legte er für jede geleistete Stunde drauf. Support war „inklusive". Anpassungen wurden für 80 Euro abgerechnet — ein Betrag, der nach Steuern und Verwaltungsaufwand die Kosten nicht deckte. Im gesamten Vorjahr hatte das Unternehmen über Support-Tickets gerade einmal 38.000 Euro eingenommen.

Der Moment, in dem es klickte: Das Team übernahm den Support eigenständig. In den ersten drei Wochen bearbeiteten die Mitarbeiter 75 Tickets. Abgerechnet wurden davon: 2.000 Euro. Möglich gewesen wären 7.500 Euro. Die Leistung wurde erbracht. Sie wurde nur nicht berechnet.

Der Inhaber führte eine Preismatrix ein, mit der das Team eigenständig kalkulieren konnte. Der Mindestpreis für Anpassungen stieg auf 120 bis 250 Euro. Jede Leistung wurde ab sofort abgerechnet — auch die kleinen Positionen, die vorher durchgewunken wurden. Parallel sank die Lohnkostenbasis um rund 100.000 Euro durch eine überfällige personelle Entscheidung.

Warum ein Softwareunternehmen aus Verlust in Gewinn kommt, ohne einen einzigen neuen Kunden

Der Mechanismus hinter diesem Turnaround ist einfacher, als er klingt — und genau deshalb übersehen ihn die meisten Inhaber jahrelang.

In einem Softwareunternehmen mit Bestandskunden entsteht der größte Umsatzverlust selten durch fehlende Aufträge. Er entsteht durch Leistungen, die erbracht, aber nie berechnet werden. Jede beantwortete Support-Anfrage, jede kleine Anpassung, jeder Bugfix für ein kundenspezifisches Setup — das sind reale Arbeitsstunden, die reale Kosten verursachen. Wenn diese Stunden systematisch durchfallen, subventioniert das Unternehmen seine Kunden mit dem eigenen Verlust.

Bei diesem Unternehmen stieg der Support-Umsatz auf das Fünffache, nachdem konsequent abgerechnet wurde. Kein Kunde kündigte. Der Grund: Die Leistung war real, die Kunden wussten das, und ein fairer Preis war für sie kein Problem. Das Problem lag auf der Anbieterseite — in einer Gratis-Mentalität, die der Inhaber selbst über Jahre vorgelebt hatte.

Und das macht diesen Fall für andere Inhaber übertragbar: Wenn Du als Inhaber Leistungen verschenkst, übernimmt Dein Team diese Haltung. Dein Team rechnet dann nicht ab, weil es keinen Rahmen dafür hat — keine Preismatrix, keinen Mindestbetrag, keine klare Regel, was „inklusive" ist und was eine separate Leistung. Der Turnaround passierte an genau dieser Stelle: Eine Preismatrix gab dem Team die Fähigkeit, eigenständig zu kalkulieren. Ein definierter Mindestpreis sorgte dafür, dass jede Leistung die eigenen Kosten deckte. Und eine klare Regel — jede Leistung wird abgerechnet — machte aus einer individuellen Einschätzung des Inhabers einen Unternehmensprozess.

Das Ergebnis: Das Unternehmen wechselte vom Jahresverlust von 100.000 Euro auf einen Gewinn von 60.000 Euro im selben Geschäftsjahr. Der Umsatz stieg auf über 900.000 Euro.

Was Du diese Woche prüfen kannst

Nimm die Support-Tickets der letzten vier Wochen. Zähle, wie viele davon eine Rechnung erzeugt haben — und wie viele ohne Abrechnung geschlossen wurden. Wenn die Quote unter 70 Prozent liegt, hast Du denselben Mechanismus in Deinem Unternehmen: Dein Team erbringt Leistungen, die nie als Umsatz ankommen. Der Weg vom Verlust in den Gewinn führt dann durch Dein Pricing — bevor Du über neue Kunden oder neue Produkte nachdenkst.

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Häufige Fragen

Kündigen Kunden, wenn man plötzlich Leistungen berechnet, die vorher kostenlos waren?

In diesem Fall kündigte kein einziger Kunde. Die Leistung war real, der Aufwand nachvollziehbar — und ein fairer Preis war für die Kunden kein Problem. Der Widerstand sitzt beim Inhaber, der befürchtet, Kunden zu verlieren. Die Kunden selbst reagieren pragmatisch, wenn die Kommunikation klar ist.

Wie finde ich heraus, wie viel Umsatz mir durch nicht abgerechnete Leistungen entgeht?

Nimm alle geschlossenen Support-Tickets der letzten vier Wochen und prüfe, welche davon eine Rechnung erzeugt haben. Die Differenz zwischen bearbeiteten Tickets und abgerechneten Tickets — multipliziert mit Deinem Stundensatz — zeigt Dir den verlorenen Umsatz. Bei dem Unternehmen im Artikel lag die Lücke bei über 70 Prozent der Tickets.

Brauche ich ein neues Tool, um den Support-Umsatz zu steigern?

Nein. Der Hebel ist eine klare Preismatrix und ein definierter Mindestpreis pro Leistung. Das kann eine einfache Tabelle sein, die dem Team zeigt, was welche Leistung kostet. Das Problem ist selten das Werkzeug — sondern dass eine Regel fehlt, die festlegt, dass jede erbrachte Leistung auch abgerechnet wird.

Funktioniert das auch bei Softwareunternehmen mit SaaS-Modell statt Projektgeschäft?

Ja — gerade SaaS-Unternehmen haben dieses Problem bei Onboarding, Customizing und Support-Anfragen, die über den Standard-Scope hinausgehen. Wenn diese Leistungen im Abo „inklusive" sind, ohne dass jemand geprüft hat, ob die Kosten gedeckt werden, entsteht derselbe Mechanismus: wachsender Umsatz bei stagnierendem oder sinkendem Gewinn.